Hier kommt das Training für eure Ohren

Für eure Muskeln sind wir an anderer Stelle aktiv. Hier kümmern wir uns um eure Seele – mit dem, was sich beim Sport zu hören lohnt.

September 2021 →

Musik

*Tschüss Sommer

Tja, da geht er dahin, dieser komische Sommer. War nicht besonders doll, so insgesamt, träge mäandert er aus im September, der auch nicht mehr viel rausreißt. Nehmen wir also Abschied von ihm, mit einer Playlist, die sich genau so anhört wie dieses End-of-Summer-Feeling: Ein bisschen melancholisch (Elvis Costello, „Alison“), ein bisschen verkatert wie am Morgen danach (Alex Mayr, „Margaritas“), immer noch hoffnungsvoll (Journey, „Don’t Stop Believin’“) und trotzdem wie das Ende einer kurzen Ära (Max Giesinger, „Der letzte Tag“). Es sind noch andere Kleinode zeitgenössischer Popkultur auf dieser Playlist, die Euch vielleicht ja doch ein bisschen darüber hinwegtrösten, dass wir jetzt für ein paar Monate wieder in das dunkle Loch des Herbstwinters verschwinden. Auf jeden Fall aber gilt als Parole, was uns die Gebrüder Gallagher aka Oasis nach hinten raus mit auf den Weg geben: „Don’t Look Back In Anger“. Alles wird gut.

Podcasts

*Zeitzeichen

Am 15. September 1666 wurde Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg geboren. Nie gehört? Kein Wunder: Das ist eine dieser (Rand-)Figuren der Zeitgeschichte, die maximal History-Freaks etwas sagt. Aber sie hat auch die Art von Lebensgeschichte, die sich die Redaktion des WDR-Hörfunks nur zu gern annimmt. An jedem Tag des Jahres widmen sich die Hörfunk-Profis einem runden Geburts- oder Todestag, irgendeinem Jubiläum eines Bauwerks, Kriegsendes, Erstaufführung. Da waren in letzter Zeit die Gründung des Duisburger Hafens genauso dabei wie die Erstausstrahlung der Simpsons, und in einer faszinierenden Viertelstunde werden Abläufe und Abgründe erzählt, mit Experten, Zeitdokumenten, Geräuschen und Musik. Am spannendsten sind tatsächlich die Sachen, die man selbst nicht so richtig kennt. Was uns wieder zu Sophie Dorothea bringt. Die nämlich heiratete aus Staatsräson den Mann, der später König von England werden sollte, begann aber eine leidenschaftliche, durch schwülstige Briefe bestens dokumentierte Affäre mit einem ebenso jungen wie heißen Jungadligen, die ihn das Leben kostete und sie die Freiheit. Tragisch. Aber wunderschön erzählt. Allein für das „Zeitzeichen“ lohnen sich die Rundfunkgebühren.

Hörbücher

*„Die Möbel des Teufels  von Heinrich Steinfest

Eigentlich ist das hier ein Krimi. Nämlich der sechste aus der Reihe um die Wiener Privatermittler*innen Wolf (weiblich) und Cheng (männlich). Nur: Die beiden tauchen in diesem Buch eher in Spurenelementen auf, erzählt wird diese unerhört reichhaltige Geschichte aus der Sicht von Leo Prager. Der ist 1976 als 18-Jähriger aus seiner Heimatstadt verschwunden, wenige Tage, nachdem er den (wirklich passierten) Einsturz der Reichsbrücke beobachtet hat. 44 Jahre lang lebte Leo auf einer kaum bewohnten Südseeinsel, jetzt kehrt er nach Wien zurück, um seine Schwester zu beerdigen. Die ist ermordet worden, und das, so viel steht schnell fest, hat zu tun mit ihren herausragenden Fähigkeiten als Stenotypistin – sie hatte für dubiose Auftraggeber gearbeitet… Das ist aber nur der Anfang einer lakonisch, poetisch, fast altmodisch ruhig erzählten Geschichte, in der sich in jedem Kapitel eine neue Welt aufblättert. Vor allem für Leo, dem allmählich auch wieder einfällt, was ihn damals aus Wien herausgetrieben hat. „Die Möbel des Teufels“ ist nicht weniger als ein fantastisches Buch.

August 2021 →

Musik

*Das ist ja süß!

In diesem Monat dreht sich bei Cardioscan ja so einiges um den Zucker, oder vielmehr: Die Vermeidung des süßen Klebstoffs unseres Organismus. Da kann und will unsere Playlist nicht nachstehen, beziehungsweise voll dagegenhalten. Denn in der Popmusik wird ständig mit Wörtern wie honey, sugar und sweet herumgeworfen, und in unserer „Das ist ja süß!“-Playlist gehen wir auf diesem Gebiet auch mal so richtig in die Vollen. Denn: Auf den Ohren richten die verschiedenen Süßungsmittel keinen Schaden an, im Gegensatz zum Rest des Körper. Abgesehen davon sind in Songs dann ja auch in den seltensten Fällen echte Süßigkeiten gemeint. Okay, „The Candy Man“ von Sammy Davis Jr. handelt dann doch von einem Typen, der Kinder erst mit Schokolade und Bonbons glücklich macht und ihnen dann Karies und Adipositas verschafft. Aber ansonsten: „Brown Sugar“ (Rolling Stones) ist wohl eher eine Umschreibung für Heroin, und im Fall von „Zucker“ (Peter Fox), „Honig“ (Miwata) und „Sugar“ (Maroon 5) dienen die Fruktose- bzw. Glukose-Verbindungen als Metapher für die Niedlichkeit bestimmter Frauen. Auch gut. Man kann aber auch wie Bono und Co. gleich auf’s große Ganze gehen. „Ain’t Love The Sweestest Thing?“ singen U2, auch in dieser Playlist. Und wir so: jawollo!

Podcasts

*Mit den Waffeln einer Frau

Barbara Schöneberger ist nach Angela Merkel die zweitbekannteste Frau Deutschlands, und das hat Gründe. Zum einen Babs quasi überall, führt durch Talkshows, hat ein eigenes Magazin, moderiert alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ach ja, einen eigenen Radiosender hat sie auch. Und einen Podcast. Bei „Mit den Waffeln einer Frau“ empfängt sie im Wochenrhythmus Prominente und backt für sie Waffeln. Und dann wird geschnackt, und hier greift der andere Grund für Schönebergers Beliebtheit: Mit ihr ist es immer lustig und die Stimmung fantastisch, schlechte Vibes kennt diese Frau nicht. Ob da nun Hugo Egon Balder oder Kaya Yanar oder Frauke Ludowig kommen: Am Ende kommt immer das heraus, was Barbaras Kernkompetenz ist – launige Unterhaltung auf Top-Niveau.

Hörbücher

*„Es ist immer so schön mit dir“ von Heinz Strunk

Ist ja immer so eine Sache mit Heinz Strunk: Man weiß nicht so genau, ob das nun eigentlich gehobene Literatur ist oder gehobener Quatsch, was der Mann so schreibt. Aber es hat irgendwie immer einen Sog, wenn man mal anfängt, sich auf seine Geschichten einzulassen, bleibt man auch dabei. Erst recht, wenn er selbst seine eigenen Bücher vorliest, mit diesem Slick auf der Zunge und dem unnachahmlichen Hamburger Einschlag. Auch der zieht einen rein in sein neues Buch, das der Verlag „die Geschichte einer katastrophalen Liebe“ nennt. Na ja: Der namenlose Held, gescheiterter Musiker, Mitte 40, seit Jahren in einer gemütlichen Beziehung verhaftet, verlässt seine Freundin Julia, als er Vanessa begegnet, Schauspielerin, mysteriös, schön, halb so alt wie er. Eigentlich trennt die beiden mehr als sie eint, und der überforderte (Anti-)Held fragt sich schnell: Was will diese Frau mit einem wie mir? Aufklärung folgt. Auf beste Heinz-Strunk-Art

Juli 2021 →

Musik

*Hitzewelle

Der Hochsommer ist, so rein musikalisch, schon eine ziemlich Wundertüte. Mal möchte man sich stampfend anagitieren lassen (zum Beispiel mit „Higher Power“ von Coldplay), dann wieder braucht man’s entspannter bei der dieser verdammten Hitze („Sunnyside“ von Bosse), und gehört nicht auf jeden Fall Reggae auf jeden Sommer-Mix („Could You Be Loved“ von Bob Marley)? Und dann wäre da noch Alice Merton, die mit „Vertigo“ auf unserer „Hitzewelle“-Playlist vertreten ist. Was nie passiert wäre, wenn sich die Deutsch-Engländerin mit ihrem Berufswunsch durchgesetzt hätte – eigentlich wollte Alice nämlich Opernsängerin werden. Da ist sie aber durch jede Aufnahmeprüfung gerasselt, hat dafür in Mannheim Pop studiert und mit „No Roots“ mal eben einen Welthit rausgehauen. Auch nicht so übel.

Podcasts

*Entführt

Vor zwei Monaten haben wir Euch den Truecrime-Roman „Tief in der Erde“ als Hörbuch empfohlen. Es basiert auf dem Fall Ursula Herrmann, ein zehnjähriges Mädchen, das 1981 entführt und aus Versehen ermordet wurde. „Entführt“ heißt auch der großartige Podcast der Journalistin Katja Paysen-Petersen, die diese grausame Geschichte in sechs Folgen fesselnd für den Bayerischen Rundfunk aufbereitet hat – und, das sagt sie gleich zu Beginn, vermutet, dass der Falsche für dieses Verbrechen verknackt wurde.

Hörbücher

*Fabian oder der Gang vor die Hunde von Erich Kästner

Der große, ja: sehr große Erich Kästner ist zwar berühmt geworden für seine Kinderbücher, und das zurecht, aber er konnte auch anders. Düster nämlich und verzweifelt und sehr erwachsen, 1931 zum Beispiel schrieb er „Fabian“, die Geschichte eines Doktors der Literaturwissenschaften, der seinen Job als Werber in einer Zigarettenfabrik verliert, dafür die große Liebe findet und ansonsten gemeinsam mit seinem Freund Labude dabei zusieht, wie Moral und Anstand im Berlin der frühen 1930er verkommen und dabei das ganze Land in einen Abwärtsstrudel reißen. Am 5. August kommt eine phantastische Neuverfilmung des Stoffes in die Kinos (wir durften das Ding schon sehen), Tom Schilling und Albrecht Schuch brillieren in den Hauptrollen, aber so atmosphärisch dicht wie das Buch kann kein Film sein. Deshalb empfehlen wir dieses prophetische Stück literarischer Zeitgeschichte als Hörbuch, gelesen von Nico Holonics. Es ist toll.

Mai 2021 →

Musik

*Mia san Mai

Seit gut einer Woche läuft sie, die Europameisterschaft, aber die Stimmung in dieser Sache ist eher so mittel. Echt jetzt, Leute: So geht das nicht. Ja, die UEFA ist eine miese Kommerzbutze, und ja, der Modus ist doof, und dann die Sache mit Christian Eriksen… Aber trotzdem: Die Feste müssen gefeiert werden, wenn sie denn schon mal fallen, und dazu gibt es von uns die Musik. Also: die besten Fußball-Hymnen weit und breit, von „Seven Nation Army“ von The White Stripes über „Three Lions“ von den Lightning Seeds bis zu den Toten Hosen mit „Auswärtsspiel“ – und einen gar nicht mal sooo dezenten Hinweis auf den Lieblingsclub des Verfassers dieser Zeilen gibt es auch in dieser Playlist, die „It’s coming home“ heißt. Keinesfalls fehlen darauf darf die Mutter aller Fußballsongs. Denn „You’ll Never Walk Alone“ ist nicht nur die berühmteste, sondern auch erste Fußballhymne der Welt. Weniger bekannt dagegen ist, dass die Version von Gerry & The Pacemakers von 1963 gar nicht das Original ist – das war Teil eines Broadway-Musicals von 1945, die erste Aufnahme des Stücks stammt von, jawohl: Frank Sinatra. Vor allem aber steht YNWA für das, um was es beim Fußball am Ende wirklich geht: um Gemeinschaft, Zusammenhalt, Hoffnung, Liebe und Glauben. Mit anderen Worten: Fußball ist heute das, was vielen früher die Kirche war. Und was macht man in der Kirche? Eben: man singt.

Podcasts

*Weil’s hilft

Schulmedizin oder die alternative? Das, finden die Macher von „Weil’s hilft“, sei gar nicht die entscheidende Frage. Sondern vielmehr: Warum sich für eines von beiden entscheiden? Tatsächlich ist der Podcast nur ein kleiner Teil dieses Aktionsbündnisses, das sich zur Aufgabe gemacht, Natur- und Schulmedizin gleichzustellen, denn: Wer heilt, hat recht, egal, wie die wissenschaftliche Beweislage ist. Für die Podcasts laden sich die Macher immer wieder spannende Gäste ein, die ihre Idee unterstützen. Zum Beispiel, und dahin führt unser Link, den Neurobiologen Gerald Hüther, der sehr überzeugend erklärt, warum es extrem gesund ist, lieb zu sich zu sein.

Hörbücher

*„Tief in der Erde“ von Christa von Bernuth

Es ist ein wahrer, ein prominenter Fall, den sich Christa von Bernuth hier vorgenommen hat. Und Kritiker könnten bemängeln, dass sie sich nicht allzu viel Mühe damit gemacht hat, an der Details zu schrauben. Zum Beispiel: Der 15. September 1981 war der Tag, an dem am Ammersee die zehnjährige Ursula Herrmann entführt und in einer Kiste begraben wurde, in der sie wenig später starb, weil ihre Entführer die Sache mit dem Belüftungssystem nicht hinbekommen haben. All das und noch viele Details mehr übernimmt von Bernuth, bloß verändert sie Namen und Orte – das Opfer heißt bei ihr Annika Schön. Und auch in ihrem Stil bleibt die Autorin realitätsnah, sie schreibt beinahe reportagehaft, und das macht die Sache dann doch ziemlich spannend – auch weil sie, wie viele im echten Fall Herrmann, erhebliche Zweifel hat, dass der wahre Täter verknackt worden ist. Real Crime mit Gänsehautfaktor.

April 2021 →

Musik

*Tanz in den Mai

In ein paar Tagen tanzen auf dem Brocken wieder die Hexen, in Kreuzberg werden ein paar Unentwegte coronakonform maskiert Steine auf Autos werfen, Gewerkschaften werden Grußbotschaften versenden, und dann wissen wir: Der Mai ist gekommen. Wir tanzen mit unserer neuen Playlist virtuell hinein und danken an dieser Stelle The Weeknd, Bruno Mars, girl in red und unserem Tischtennis-Freund Max Giesinger für ihre Mithilfe dabei. Und werfen aber noch einen Blick zurück auf diesen lausig kalten ersten Frühlingsmonat, der uns daran erinnert hat, dass es manchmal im April schneit. Und deshalb haben wir auch „Sometimes It Snows In April“ auf unsere Playlist geworfen, komplett untanzbar und nichtsdestotrotz ganz schön toll. Prince hat das Ding übrigens an einem Apriltag des Jahres 1985 aufgenommen, es war der 21., und der Tod der von ihm gespielten Filmfigur Christopher Tracy kommt darin vor. Vor fünf Jahren ist Prince gestorben. Am 21. April. Ein Zufall? Ja. Trotzdem spooky? Auf jeden Fall. Übrigens auch, dass dieser Text rein zufällig am 21. April geschrieben wurde.

Podcasts

*Gefühlsecht

Dieser Podcast hat ein Motto. Es heißt: „Spiritualität leben, aber in der Lage sein, ein Auto zu betanken“. Wir übersetzen mal: Franziska Trautmann und Katinka Magnussen reden über die großen Fragen des Lebens, vor allem des eigenen, über Träume, Visionen, Wachstumsschmerzen. Aber sie gleichen all das auch immer mit der eigenen Lebenswirklichkeit ab – und liefern so ein ziemlich genaues Bild davon, was es bedeutet, heute eine Frau zu sein. Das macht die Sache übrigens auch für Männer interessant, die sich nicht darauf ausruhen möchten, dass es unmöglich sei, Frauen überhaupt zu verstehen. Und apropos interessant: Die beiden haben jedes Mal auch ziemlich spannende, ungewöhnliche Gäste.

Hörbücher

*„Französisches Roulette“ von Martin Walker

Ach, er könnte ein so schönes Leben haben, der Dorfpolizist Bruno Courréges – sein Amtsgebiet, die Gemeinde Saint-Denis, liegt im traumhaft schönen und extrem beschaulichen Périgord, wo nichts so wichtig ist wie gutes Essen und gute Weine und die sonntäglichen Rugbyspiele des ortsansässigen Vereins. Bruno ist nicht nur der beliebteste Bürger seiner Stadt, sondern auch der begehrteste Junggeselle des gesamten Départments, nichts würde ihn je von hier wegbekommen. Und Abwerbungsversuche aus dem fernen Paris gab es, denn Bruno war Elitesoldat im Jugoslawien-Krieg und ist einer der versiertesten Kriminalisten, die Frankreich je gesehen hat. Woher wir das wissen? Weil der Schotte Martin Walker, seit vielen Jahren mit Wohnsitz im Périgord, in seinen Bruno-Krimis immer wieder die große Welt aufs Dorf holt. Ob IS-Terror, Kunstbetrug im großen Stil oder der baskische Unabhängigkeitskampf, alles bündelt sich wundersamerweise in dieser verschlafenen Gourmet-Gegend, und immer findet der Historiker Walker einen Bezug in die reale Vergangenheit. Ist auch im neuen, dem 13. Fall so, in dem Bruno den Todesfall eines alten Mannes mit russischen Oligarchen in Verbindung bringt. Aber wir empfehlen beinahe, mit „Bruno, chef de police“ einzusteigen, dem ersten Fall. Schon da paart sich die Wohlfühlatmosphäre der Kulisse mit einem spannenden Fall und dem tiefen Eintauchen in die Geschichte Frankreichs.

März 2021 →

Musik

*Springtime Mixtape

Irgendwie schon eine Ironie der Popgeschichte, dass der größte musikalische Anwalt der Unterdrückten, der schlecht Bezahlten, der zutiefst mit ihrem Leben Unzufriedenen den Spitznamen „Boss“ trägt. Aber stimmt schon: Niemand ist auf der Bühne so chefig wie Bruce Springsteen, niemand so glaubwürdig, und deshalb hat fast jeder seiner Songs für seine Anhänger die Bedeutung besonders erbaulicher Bibelzitate. „Dancing In The Dark“ von 1984 macht da keine Ausnahme: Alles ist furchtbar in dem Lied, alles stumpf, keine Aussicht auf Besserung in diesem Leben, an dem man am liebsten alles ändern würde… Versteht der Boss ja auch. Aber: dann tu was. „You can’t start a fire without a spark“ singt er, kein Feuer ohne Funken, erfinde dich neu, und wenn es erstmal nur bedeutet, im Dunklen zu tanzen, wo dich keiner sieht. Und geht’s nicht darum auch im jetzt beginnenden Frühling? Darum, die bleischwere Agonie der langen und fiesen Wintermonate abzustreifen und den Funken in sich zu entzünden? Na also. Genau dafür ist diese Playlist da, mit Clueso,  Arlo Parks, den New Radicals und am Ende sogar den Beatles. Here comes the sun, Leute!

Podcasts

*Urban Heroes

Es lässt sich natürlich trefflich darüber streiten, ob es einen schon zum Helden macht, wenn man es hinbekommt, seine Körperfettbilanz im Studio günstiger zu gestalten. Aber man fühlt sich doch besser, und ja, auch ein bisschen heldenhaft. Und genau darum geht es im Podcast des Hamburger HIIT-Studios – und die wissenschaftliche Unterfütterung des sportlichen Schaffens dort. Für die erste Folge haben sich die Heroes unseren höchsteigenen Dr. Marc Weitl eingeladen, von dem nicht nur wir behaupten, dass er einer der führenden Experten in Sachen Medical Fitness ist. Sachkundig ordnet er hier die Segnungen des High Intensity Intervall Trainings ein. Und warnt vor zuviel Ehrgeiz, sehr zum Entsetzen seiner Gesprächspartnerin. Guter Mann.

Hörbücher

*„Sweet Dreams“ von Frank Goosen

Jeder, der dabei gewesen ist, kann leibhaftig bestätigen: Die Achtziger, das war echt ein interessantes Jahrzehnt, mit Olympiaboykott und drohendem Atomkrieg am Anfang und dem Mauerfall am Ende. Frank Goosen, heute 54, hat dieses Jahrzehnt nicht nur erlebt, er ist in ihm erwachsen geworden, und als wäre das nicht genug: auch noch im Ruhrpott! In „Sweet Dreams“ erzählt der Bochumer mit dem ihm eigenen lakonisch-ironischen Pottcharme Geschichten aus dieser Zeit, von missglückten ersten Lieben und bescheidenen Lebensträumen, von peinlichen Begegnungen in Videotheken und einer Welt, die nebulös voller Möglichkeiten steckte. Super vorlesen kann der Mann übrigens auch. Tolles, warmherziges Hörbuch.

Februar 2021 →

Musik

*Liebe in der Luft

Kaiser Augustus, qua seines Amtes mit großer Macht und qua seiner Persönlichkeit mit ziemlich perfidem Gedankengut ausgestattet, hat vor gut zwei Jahrtausenden in Rom folgende Überlegung angestellt: Wenn auf Soldaten zu Hause Familien warten, eine geliebte Frau, ein paar schnuckelige Kinder – haben die dann nicht etwas, für das es sich zu leben lohnt? Was sie ergo davon abhält, sich begeistert in die Schlacht zu stürzen und für das ruhmreiche Römische Reich den Heldentod zu sterben? Also verhängte er ein Heiratsverbot für sein Heer, und das hatte über Jahrhunderte bestand. Hielt sich nur nicht jeder dran: Ein Priester in der damals mächtigsten Stadt des Planeten verehelichte trotzdem Kämpfer, sofern sie dem damals noch frischen christlichen Glauben angehörten. Im Jahr 269 wurde der renitente Gottesmann hingerichtet. Das geschah am 14. Februar jenes Jahres, der Name des zukünftigen Heiligen und Märtyrers der Liebe: Valentin von Rom. Sein Tag wurde im Laufe der Zeit zu dem der verknallten Pärchen und der Floristeninnung, und hey: Auch die Popmusik ist verdammich froh darüber, dass es den Valentinstag gibt. Denn an jedem 14. Februar liegt Liebe in der Luft, und so heißt auch unsere Playlist des Monats. Und die überlassen wir diesmal fast ausschließlich den ganz großen der Liebesliedindustrie. Geht los mit Ed Sheeran, geht weiter mit Alicia Keys, Maroon 5, Bruno Mars, Michael Bublé… Auch Richard Marx ist dabei mit der Megapowerschnulze „Right Here Waiting“. Das Ding schrieb er 1989, als er gerade drei Monate von seiner Frau Cynthia Rhodes getrennt war – die war als Schauspielerin zu jener Zeit am anderen Ende der Welt beschäftigt. Die Ehe zerbrach nach 25 Jahren. Das Lied bleibt bis ans Ende aller Tage. Was nicht heißen soll, dass das Singen über die Liebe besser ist als die Liebe selbst.

Podcasts

*Sexy & bodenständig

 Till Raether schreibt Bücher, eine erfolgreiche Krimireihe ist dabei, ein paar andere super Romane. Alena Schröder hat einige sehr erfolgreiche Sachbücher geschrieben und ist gerade mit ihrem ersten Roman – siehe Hörbuchtipp – in die SPIEGEL-Bestsellerliste eingestiegen. Worüber diese beiden Koryphäen in ihrem Podcast sprechen? Klar: übers Schreiben. Ein „Entlastungspodcast für Autor*Innen“ sei das Ding, sagen die beiden. Aber nicht nur für die sind die Dialoge der beiden seit beinahe 40 Folgen ein irrsinnig unterhaltsamer Ritt durch die Welt des literarischen Arbeitens. Dieser Podcast macht auch dann richtig Spaß, wenn man bloß gern liest und schon immer mal wissen wollte: Wie machen diese Schriftsteller das bloß? (Spoiler Alert: sehr oft gar nicht.)

Hörbücher

*„Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ von Alena Schröder

Kryptischer Titel für ein Buch, oder? Aber auch toll. Und so nach ungefähr einem Drittel dieses fabelhaften Romandebüts von Alena Schröder ergibt er auch Sinn. Ihre Geschichte ist zum Teil die ihrer eigenen Familie, und sie beginnt damit, dass die durchs Leben schlingernde Studentin Hannah bei ihrer 94-jährigen Großmutter einen Brief findet. Absender: eine israelische Anwaltskanzlei, die auf die Rückübertragung von Nazis gestohlener Kunstwerke an Juden spezialisiert ist. Juden? In ihrer Familiengeschichte? Davon wusste Hannah nichts. Und deshalb springt Schröder zurück in die frühern 1920er und erzählt parallel die Geschichte von Hannahs Urgroßmutter. Das lohnt sich, denn diese Senta hatte ein spannendes, höchst ungewöhnliches Leben… Großartige Geschichte, toll gelesen von Julia Nachtmann.

Januar 2021 →

Musik

Alles wird gut

Michael Stipe war und ist ein musikalisches Genie, auch und vor allem als Kopf und Stimme von R.E.M., für nicht wenige eine der besten und wichtigsten Bands, die jemals ein Studio betreten haben. Stipe war und ist aber auch ein komplizierter Mensch, kontrovers, engagiert, tiefgründig, schwierig. Deshalb hat sich die Popwelt verwirrt kollektiv die Köpfe gekratzt, als vor ziemlich genau 30 Jahren „Shiny Happy People“ erschien, eine Hymne, die vor Lebensfreude und guter Laune nur so krachte. Was will der Mann uns damit sagen?, fragten sich Fans und Kritiker und suchten nach Message und Subtext. Die Wahrheit ist: gibt es gar nicht. „Ich habe auch eine nette und lustige Seite, die wollte nur niemand sehen“, sagt Stipe, und weil er eben mal Bock auf eine launige Schingelschangel-Nummer hatte, wurde das Ding 1991 zum Hit und später zum Evergreen. Was dem Mann dann auch wieder nicht recht war – Stipe sagt, er hätte sich „richtig geärgert über den Erfolg“ es Stücks. Bizarr, soll uns aber nicht stören – Stipe und seine Jungs geben den Ton vor auf unserer ersten Playlist des Jahres. „Alles wird gut“ heißt sie, und wir wollen nichts als Spaß, Freude und und Optimismus damit in die Welt tragen. Dabei helfen uns Bosse, Weezer, Vampire Weekend – ja, und nicht einmal Bob Marley war sich posthum zu schade, um zur Stimmungsaufhellung beizutragen. In diesem Sinne: Stir it up!

Podcasts

*Geschichten aus der Geschichte

Treffen sich zwei Männer und reden… Machen wir uns nichts vor: Das ist die Basis von in etwa zwei Dritteln aller Podcasts weltweit. Das ist nicht originell und nicht immer gut. Aber manchmal auch richtig super. Zum Beispiel bei Richard Hemmer und Daniel Messner – zwei Historiker, die seit bummelig fünf Jahren sehr detailverliebt über oft wenig bekannte Ereignisse der Weltgeschichte reden. Das Besondere dabei: Der eine weiß zum Beginn einer Folge nicht, welche Geschichte ihm der andere auftischt, das heißt, er hört mit der selben unbeleckten Neugier zu wie man selbst. Das macht richtig Spaß, und hinterher weiß man ziemlich genau, warum mieser Wein zu einem Aufruhr in Oxford geführt hat, wie ein Hochstapler 1925 versuchte, den Eiffelturm zu verkaufen und wie eine Frau Korea zu Macht und Wohlstand verhalf – vor 1400 Jahren. Nichts ist so spannend und erstaunlich wie das echte Leben.

Hörbücher

*„Just Like You“ von Nick Hornby

London, 2016, die Debatte vor dem Brexit-Referendum brodelt, und im Norden der Stadt geht Lucy Fleisch kaufen. Hinter dem Tresen wird sie von Joseph bedient, der sich als Teilzeiterzieher entpuppt und als As an der Playstation, und genau deshalb engagiert Lucy ihn als Babysitter für ihre beiden Fifa-süchtigen Jungs. Sie ist 42, Lehrerin und geschieden, beste weiße Mittelschicht, Joseph ist 20 Jahre jünger und schwarz, und ja: Aus beiden wird irgendwie ein Paar. Wie das funktioniert und manchmal auch nicht, wie man als liberaler Mensch den Brexit verstehen kann und wie man Vorurteile mit einem Schulterzucken lässig entwertet – als das beschreibt der großartige Nick Hornby komplett unaufgeregt in seinem neuesten Buch, richtig gut vorgelesen von Britta Steffenhagen.

Dezember 2020 →

Musik

*Mehr Lametta, Leute!

Ach, Weihnachten, Fest der Liebe, des Gänsebratens, der alten, viel zu oft gehörten Weihnachtslieder… Denn mal ehrlich: Kann irgendwer da draußen noch „Jingle Bells“, „Santa Clause is Coming to Town“, „Rockin’ Around The Christmas Tree“ oder, schluck, „Santa Baby“ ertragen? Eben. Das ging übrigens auch Jamie Cullum so. Der mag Weihnachten und diesen ganzen Bigband-Swing-Sound dazu, aber von den ollen Kamellen hatte der Engländer die Nase voll – und da beschloss das kleine Jazz-Genie, Zitat, „dass ich einfach ein paar neue Klassiker schreibe. “Gesagt, getan, es gibt jetzt ein ganzes Album mit diesen Neo x-mas classics. Und einen Song davon in unserer Lametta-Playlist: In „So Many Santas“ erzählt Cullum, wie ein Junge durch die weihnachtliche Stadt läuft und allmählich misstrauisch wird, was die nackte Existenz des Weihnachtsmanns angeht – wo doch an jeder Ecke einer steht… Sehr hübsch, das, genau wie die – manchmal mehr so im weiteren Sinn – Weihnachtslieder von Coldplay, Slade, den Pogues, Stevie Wonder sowie unser liebstes deutsches Weihnachtslied (findet Ihr ganz am Ende). Ach ja: Taylor Swift liefert vorausschauend schon mal ein Stück für den Neujahrstag. Guten Rutsch!

Podcasts

*Kein Mucks!

Nicht mal die Älteren unter uns werden sich erinnern, aber es gab eine Zeit in diesem Land, in der Radiosender – allesamt natürlich in staatlicher Hand – sehr viel Geld und Liebe und Professionalität investiert haben, um die Hörer draußen an den Empfangsgeräten bestens zu unterhalten. Auch und gerade mit Krimihörspielen. Hunderte davon, bestens produziertes Ohrspannungstheater, rottete in den Archiven von Radio Bremen vor sich hin – bis Bastian Pastewka diesen Schatz hob und ihn dem vergessen entriss. Jetzt stellt er wöchentlich bei „Kein Mucks!“ je ein Hörspiel aus den 50ern, 60ern oder 70ern vor und spielt es dann auch. Aktuell zum Beispiel eine Folge aus „Dickie Dick Dickens“, eine Serie, die 1960 in Norddeutschland die Straßen leerfegte. Noch mal: wegen eines Radiohörspiels. Das waren noch Zeiten.

Hörbücher

*„Olympia“ von Volker Kutscher

Ist Gereon Rath eigentlich inzwischen der berühmteste fiktive Polizist Deutschlands? Die Bücher von Volker Kutscher haben den Ermittler der Berliner Mordkommission der frühen 1930er ja schon in diese Richtung geschubst, aber mit der formidablen Fernserie „Babylon Berlin“, die auf Kutschers Büchern basiert, ist Rath zu einem echten Star geworden. Und dem folgt man gern auch ins Jahr 1936, als in Berlin die Olympischen Spiele anstehen. Gereons ehemaliger Pflegesohn Fritz, mittlerweile sehr eifrig in der Hitler-Jugend engagiert, arbeitet als Helfer im Olympischen Dorf. Und muss mit ansehen, wie ein amerikanischer Schwimm-Funktionär im Restaurant dort zusammenbricht und stirbt. Ein Herzinfarkt? Mitnichten: Die Obduktion verrät, dass der Mann vergiftet wurde. Das allerdings passt nicht in die Heile-Welt-Show, als die die Nazis die Spiele inszenieren wollen. Also schicken sie Gereon ins Dorf, um dort sehr dezent zu ermitteln… Und das ist nicht nur spannend – Kutschers historische Bezüge zu realen Figuren der Zeitgeschichte machen echt Spaß.

November 2020 →

Musik

*Laut gegen dunkel

Na, ganz ehrlich: Hat der November bei Euch auch einen so furchtbar schlechten Ruf? Irgendwie zu nass, zu klamm, zu kalt, noch viel zu viel Winter übrig, und dann dieser lange Marsch in die Dunkelheit… Ja, klar, kann man betrauern. Oder aber man umarmt diesen völlig verkannten Monat, mit den ersten Lebkuchenherzen des Jahres und dicken Socken auf der Fensterbank, vor der schon nachmittags um fünf die lange Nacht ihre ersten Geheimnisse verhüllt. Und hey: Bietet der Stille des Monats mit Krach auf Euren Ohren die Stirn! Gut anhören muss er sich natürlich, und genau dafür sorgen auf unserer November-Playlist solche Granaten wie Lizzo, The Ceasars und The Jam, mit Unterstützung von Fettes Brot, Clueso und der Crucchi Gang. Wie? Kennt Ihr nicht? Macht nix, ist ja auch noch ein origineller Insider – da singen lauter deutsche Indie-Künstler ihre Songs auf Italienisch. Hier zum Beispiel Thees Uhlmann, aus dessen „Mädchen von Kasse 2“ mal eben „La ragazza della cassa no 2“ wird. Sehr lustig, sehr charmant.

Podcasts

*Betreutes Fühlen

Atze Schröders Karriere basiert jetzt nicht gerade auf, sagen wir mal: Tiefgang und psychologischem Feingefühl. Aber wenn man dem Mann den richtigen Gesprächspartner an die Seite gibt, dann kann er in erstaunliche menschliche Tiefen abtauchen. Dieser Gesprächspartner ist Dr. Leon Windscheid, der nicht nur 2015 eine Million Euro bei „Wer Wird Millionär?“ gewonnen hat, sondern danach auch ein Buch darüber geschrieben hat, wie man in wichtigen Situationen seine Sinne beisammen hält. Und so plaudern die beiden Alltagsphilosophen über Stress und Angst und Selbstliebe und so weiter, und am Ende denkt man nicht selten: Huch. Das war ja gar nicht nur lustig, das tat jetzt richtig gut.

Hörbücher

*„Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ von Andrea Petkovic

Eigentlich sollte 2020 das letzte Jahr in der Tenniskarriere der Andrea Petkovic sein. 33 ist sie inzwischen, das Knie macht nicht mehr mit, und ihre größten Erfolge – Platz neun in der Weltrangliste, sechs Turniersiege – liegen auch schon acht bis neun Jahre zurück. Aber Corona hat den Rücktritt verhindert, deshalb wird sie im kommenden Jahr noch einmal auf Tour gehen. Und danach? Empfehlen wir eine Karriere als Literatin. Früher hat sie schon für die F.A.Z. öffentlich Tagebuch geführt während der Turniere, ihre Blogs waren mindestens so Weltklasse wie ihre Vorhand. Wer dafür noch einen Beweis braucht: „Zwischen Ruhm und Ehre liegt die Nacht“ heißt ihr erstes Buch, es ist, sagt sie, eine „biografische Fiktion“ – sie reichert Ereignisse aus ihrem Leben mit Erfundenem an, und das macht sie fantastisch. Petkovic ist nicht nur eine der schlauesten, lustigsten und sympathischsten Sportlerinnen der Nation, sie ist auch ein echtes Erzähltalent, das bei allem die zweite Ebene findet. Kann man nicht von arg vielen Schriftstellern behaupten. Das Hörbuch spricht Andrea Petkovic gemeinsam mit Nina Kunzendorf. Auch das: erstaunlich gut.

Oktober 2020 →

Musik

*Endlich Oktober!

Endlich Oktober, unser Ernst? Absolut: Endlich kein allzu gutes Sommerwetter mehr, das uns nach draußen zwingt. Die Bikinifigur kann für ein paar Monate einpacken, und hey: kühle Luft auf den Wangen und Hände in den Manteltaschen, wir cool ist das denn? Wie der Vicoach-Soundtrack des Monats dazu, der ziemlich gechillt ist, sich eher im Indie-Bereich tummelt und garantiert ein paar Perlen enthält, die Ihr noch nicht kennt. „Color Decay“ vom Isländer Június Meyvant zum Beispiel oder „We Fell In Love In October“ von girl in red. Auch der „October Song“ von Amy Winehouse ist eines der weniger bekannten der Retro Soul-Ikone. Ihn ihm hat sie den Verlust von Ava Gardner betrauert. Nicht die Schauspielerin – sie hat ihren Kananierenvogel so genannt, der sie morgens mit schönstem Gesang geweckt hat und an einem Oktobertag durchs offene Fenster verschwunden ist. Amy war ziemlich niedergeschlagen danach. „Aber wenigstens“, hat sie einmal gesagt, „ist aus diesem Verlust ein ziemlich guter Song geworden.“ Stimmt.

Podcasts

*Baywatch Berlin

Klaas Heufer-Umlauf ist irgendwie eine der lässigsten deutschen Fernsehnasen, und weil man ihn nicht nur gern sieht, sondern ihm auch gern zuhört, gibt es ihn nicht nur von Zeit zu Zeit als Sänger der fabelhaften Zwei-Mann-Band Gloria, sondern auch im Podcast „Baywatch Berlin“, in dem er wöchentlich mit seinen Freunden Jakob Lundt und Thomas Schmitt zwischen philosophisch, abseitig und komplett sinnentleert über Gott, Welt und Leben sinniert. Nicht immer schlau. Aber immer lustig.

Hörbücher

*Hope Street von Campino

Ungefähr zu der Zeit, als Andreas Frege in Düsseldorf den Punk in sein Leben ließ, wirbelte im fernen Liverpool Kevin Keegan über den Rasen an der Anfield Road. Ein paar Jahre später wurde Frege a) der Sänger der Toten Hosen und b) zu Campino, aber er blieb ein Fußballnerd – und ein lebenslanger Fan der „Mighty Mouse“ und des Liverpool FC. Und ist als guter Kumpel von Jürgen Klopp ziemlich nah dran am Geschehen im zur Zeit besten Club der Welt. Davon erzählt Campino, durch seine englische Mutter Halb-Brite, in seinem Buch. Und damit sich das Hörbuch extra lohnt, singt er auch ein sechs Songs, die mit Liverpool und dem LFC zu tun haben. Toll.

September 2020 →

 

Musik

Heartbeats per Minute

heißt unsere erste Playlist – und die ist so bunt wie ein Laubwald im Herbst: Ihr hört Superstars wie Bruno Mars und Alicia Keys, Kultmusiker wie Michael Kiwanuka und Wir Sind Helden, aber auch eine türkische Ode an das Leben – und, jawohl: ABBA. Und was „Dancing Queen“ mit der Königin von England zu tun hat, erfahrt Ihr hier auch gleich noch.

Läuft doch!

Axel Bosse ist einer von den Guten, einer, der Anteil nimmt. Auch an Dingen, die in seiner Familie passieren. Zum Beispiel, als seine Nichte zum ersten Mal verliebt war – und ihr Vollidiot von Freund Schluss gemacht hat. Per SMS! Statt Händchenzuhalten hat Onkel Aki sich hingesetzt und einen Song für das Mädchen geschrieben, so von wegen: Ey, hör auf zu heulen, der Typ ist keine Träne wert, und überhaupt: „Jede Liebe wird irgendwann ans Licht kommen“. So geht das in „So oder so“, und mit diesem Stück beginnt unsere neue Playlist. Auch mit dabei: Was Neues von Asaf Avidan, Joy Denalane und Alanis Morisette, was Altes von den Lemonheads und Travis und viel anderes tolles Zeugs. Das hält Euch auf Trab, versprochen!

Mit Seele

Herzlichen Glückwunsch: Der Soul-Klassiker „Signed Sealed Delivered“ von Stevie Wonder ist in diesem Jahr 50 geworden, es ist eines der meistgespielten Stücke des Genres. Und einer der Lieblingssongs von Barack Obama – er ließ das Ding immer nach Wahlkampfauftritten spielen und war sein persönlicher Klingelton auf dem Handy seines Topberaters im Weißen Haus. In dieser Soul-Playlist sind auch noch ein paar andere Highlights aus der großen Motown-Zeit, von Martha Reeves etwa oder Al Green oder das fantastische „Ain’t No Mountain High Enough“ (was natürlich Eure Tageslosung ist, Leute!) von Marvin Gaye und Tammi Terrell. Aber auch Seelen-Musik aus unseren Tagen. Checkt es aus!

Auszeit

So, Leute, Genug gehasselt für den Moment, jetzt legt Ihr Euch mal schön auf den Rücken, guckt die Zimmerdecke oder den blauen Frühherbsthimmel an und entspannt. Wir liefern hier den Soundtrack dazu – ruhige Musik von Legenden wie Adele, Paul Weller oder Donovan. Von Indie-Helden, ganz vorn Bombay Bicycle Club und London Grammar. Und dann wäre da noch Gudrun Mittermeier. Die ist einerseits die Frau des Comedian Micheal M., andererseits aber auch eine fantastische Musikerin. Jahrelang hat sie als Somersault schönen Pop mit englischen Texten gemacht. Vor ein paar Jahren war sie wieder im Studio und hatte gerade die Aufnahmen zu einem neuen Album beendet, lief alles super, und es war noch Zeit. Und weil alles so schön war und Gudrun in aufgeräumter Stimmung, stellte sie sich ans Mikro und sang eines der Stücke von eben noch mal in freier bayerischer Stehgreifübersetzung  nach. Sollte Quatsch sein, aber die Leute im Studio schwiegen ergriffen danach. Einer sagte: Das ist ja viel besser so. Das bist viel mehr du. Also übersetzte sie flugs alle Songs ins Idiom ihrer bajuwarischen Heimat und nahm das ganze Zeug noch mal neu auf. Somersault war fortan Geschichte, und Gundrun singt seither nur noch in der Sprache, mit der sie aufgewachsen ist. Warum? Bedarf keiner weiteren Erklärung, wenn man „Hoam“ einmal gehört hat.

 

Podcasts

Lage der Nation

Die Zeiten sind unübersichtlich, die Welt nicht so leicht zu verstehen. Gut, wenn man zwei Typen hat, die in einem wöchentlichen Podcast ziemlich gut, unterhaltsam und meinungsstark erklären können, was eigentlich gerade in Politik und Gesellschaft Phase. Genau das machen der Journalist Philip Banse und der Jurist Ulf Buermeyer seit ein paar Jahren. Die beiden sind so ziemlich das Beste, was der Lage der Nation passieren konnte.

Fussball MML

Zugegeben: Das hier ist alles andere als ein Geheimtipp. Aber wer die wöchentliche Nachbetrachtung zur Lage der Fussballnation noch nicht kennt, sollte das schleunigst ändern. Der Autor Lucas Vogelsang, der Radiomann Maik Nöcker und Multijobber Micky Beisenherz erörtern auf höchst amüsante Art, warum Lucien Farvre nutzlos, der HSV hoffnungslos und Bayer Leverkusen die eigentliche Nummer 1 in Deutschland ist. Highlights sind dabei die Promiparodien des notorisch schlecht vorbereiteten Micky, von Hoeness über Basler bis Callmund. Ach ja, und die drei treffen verlässliche Vorhersagen: Was immer sie über ein Spiel oder einen Saisonverlauf weissagen – das Gegenteil wird passieren. Ein Must Hear.

 

Hörbücher

Dicke Freunde von Stephan Bartels

Diesen Geburtstag dürfte Simon Havlicek nicht so schnell vergessen. Nicht bloß, weil es sein 30. ist, sondern auch, weil er seine Freundin inflagranti mit einem Fahrradkurier auf dem Klo ihrer Firma erwischt. Doch sie schiebt die Schuld auf ihn selbst: Er hätte so irre zugenommen und sie damit eigentlich zuerst betrogen. Umständehalber kriecht Simon bei Hotte unter, einem ihm eigentlich unbekannten Kollegen aus der IT, der noch viel dicker ist als er selbst. Gemeinsam begeben sich die beiden in die wundersame Welt der Gewichtsreduktion. Das hat viel Potential für Slapstick und Dramödie, und das schöpft der Autor Stephan Bartels in seinem Debütroman voll aus. Kongenial gelesen wird das Hörbuch von „Dicke Freunde“ von Christian Ulmen. Viel Spaß!

Laufen von Isabel Bogdan

Okay, das hier ist nicht lustig. Es passiert auch nicht viel. Es geht um Tod und Trauer und Wiederaufstehen. Und um eine besondere Art von Mut. Isabel Bogdan hat nicht selbst erlebt, was ihrer namenlosen Protagonistin widerfahren ist – ihr Lebensgefährte stirbt plötzlich und lässt sie mit ihrem Schmerz allein zurück –, aber wie sie deren Entwicklung beschreibt, ist atemberaubend nah und intensiv. Denn diese Frau entdeckt nach einem Jahr der Agonie das Laufen für sich und dessen therapeutische Wirkung für Körper und Seele, und wir lernen: Durch Laufen wird nicht wieder alles gut. Aber alles besser. Tolles (Hör-)Buch.