0

Die HERZRATENVARIABILITÄT ist für unser Training nicht nur wichtig, sondern auch schmerzhaft unterschätzt. Denn nur, wer sich gut erholen kann, wird auch beim Sport die volle Leistung abrufen können.

Der Recovery-Index beim Chef ist derzeit nicht gut. Sagt Dr. Marc Weitl selbst. „Gelber Bereich“, sagt der Sportmediziner und Gründer von cardioscan, was nun eher mittel ist und nicht sooo schlimm, „hm. Guck mal hier.“ Er zeigt auf den Verlauf auf seinem iPhone. „Letzte Woche waren es noch 91 Prozent. Das war wow!“

Dieser Recovery-Index, das ist ein in einen Prozentsatz gegossenes Gefühl. Wie gut geht dein Körper mit Stress um, psychisch oder physisch? Kannst du heute Bäume ausreißen oder scheiterst du an einem Löwenzahn? Dieser Index besteht aus verschiedenen Komponenten. Die wichtigste davon? Richtig. Das ist so’n bisschen das persönliche Steckenpferd von Dr. Marc Weitl, man könnte sagen: eine Art Lieblingswert unter den Körperdaten. „Herz-ra-ten-va-ri-a-bi-li-tät“, sagt er deshalb auch sehr betont, Silbe für Silbe. „Du weißt, was das ist?“

Herzratenvariabilität

Grob. Aber besser, wenn Dr. Marc die Sache noch mal erklärt. Er steht auf und geht ans Whiteboard im Konferenzraum des Hamburger cardioscan-Büros.  Nimmt einen dicken Marker. Malt eine Linie mit Zacken auf die Tafel, eine kleine, eine große, zwei kleine, eine große, und so weiter. „Kennt man aus dem EKG“, sagt er und zeigt auf das Bild. „Die sollten gleichmäßig aussehen.“ Dann deutet er auf die Zwischenräume zwischen den großen Zacken. Und sagt: die nicht. „Die Zeit, die zwischen den einzelnen Schlägen vergeht, muss flexibel sein“, sagt Marc, legt den Stift beiseite und setzt sich wieder hin. „Oder eben: variabel. Deshalb: Herzratenvariabilität.“

Klingt erstmal komisch und nach Herzrhythmusstörung, oder? Aber die Wahrheit ist, und auch das erklärt Marc Weitl: Wenn das Herz immer gleich schlägt, wird es starr und kann nicht mehr flexibel auf Freude, Angst, Stress reagieren. „Wenn das Herz wie ein Metronom auf einem Klavier tickt“, sagt er, „dann sagt der chinesische Arzt: Dieser Mensch ist in drei Tagen tot.“

Fakt ist: Die Herzratenvariabilität – ach, verdammt: Die HRV gibt über den Erholungs-, also den Recovery-Index Hinweise auf die Verfasstheit des Herzbesitzers. Ist er niedrig, kann er oder sie einen saumäßig stressigen Tag am Wickel haben. Ist sie dauerhaft unten, ist es nicht der Tag, sondern kann es das ganze Leben sein, das aus der Balance gerutscht ist. Dann schlägt das Herz beim Elfmeter des Lieblingsclubs in der 89. Minute genauso doll wie kurz vor dem Einschlafen auf dem eigenen Kissen. Man muss nicht Herzspezialist wie Dr. Marc sein, um zu wissen, dass das nicht so gut ist. Wenn man ihn fragt, erfährt man aber, was dann passiert: „Es wird mehr Cortisol ausgeschüttet, das greift in den Stoffwechsel ein, begünstigt Übergewicht, kurz und wissenschaftlich ausgedrückt: Man fühlt sich schlecht.“

Übrigens auch beim Training. Wer mit einem, sagen wir mal, suboptimalen Recovery-Index sein Workout beginnt, wird schnell merken, dass die Dinge nicht gut laufen. Das ist erstmal nicht schlimm, und es wäre eine gute Idee, auf den eigenen Körper zu hören und die Dinge langsam angehen zu lassen – oder auch mal gar nicht und lieber in die Sauna gehen. „Eigentlich müssten auch und gerade Profisportler ihren Recovery-Index checken“, sagt Marc. „Viele trainieren unter Volldampf, obwohl ihr Körper eigentlich die ganze Zeit um das Gegenteil bettelt. Ich bin überzeugt: Viele Verletzungen beim Fußball könnten vermieden werden, wenn die Verantwortlichen individuell und genauer diese Körperdaten messen würden.“

Er könnte das jetzt machen. Der mescan oder andere Geräte aus der cardioscan-Reihe, sie stehen hier ja in den Räumlichkeiten von cardioscan. Aber dass er heute nicht an der Elbe laufen, sondern schön auf dem Sofa einen Film gucken wird, das hat er selbst im Gefühl. Und gelb auf weiß in seinem iPhone.