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So beschreibt Charlie MacArthur, der Erfinder eines Trendsports, seine Kreation. Und die bekommt mehr Zulauf als ein neueröffneter Hipster-Burger-Laden: Stand Up Paddling ist spätestens in diesem Sommer zum Volkssport geworden. Ist ja auch sehr gesund!   

Zu den touristischen Highlights der Freien und Hansestadt Hamburg gehören die sogenannten Fleetfahrten. Flache Barkassen schippern gemächlich durch Alsternebenarme und Kanäle, bis zum Stadtpark kann man auf diese Weise reisen. Eigentlich. In diesem Sommer nämlich hat die Reederei kapituliert und die Barkassenfahrten eingestellt. Denn die Wasserwege sind verstopft. Nicht von Algen. Nicht von Abfall. Sondern von Hunderten, ach was: Tausenden von Menschen, die sich stehend auf länglichen, zumeist aufblasbaren Brettern paddelnd ihren Weg bahnen. Vor ein paar Jahren noch haben die Kapitäne diese unnatürlichen Hindernisse auf dem Weg gehupt. Es geht nicht mehr. Es sind einfach zu viele.
Und nicht nur in Hamburg. Sämtliche Binnenseen in Deutschland werden in diesem Jahr von SUPs bevölkert, auch auf Flüssen und auf dem Meer tauchen sie auf. Na ja, da kommen sie ja auch irgendwie her. Die ersten Stand Up Paddler waren vor 3.000 Jahren Fischer vor der afrikanischen Küste, die stehend auf extrem flachen Booten mit Speeren auf Fischfang gingen – sie hatten einfach einen besseren Überblick auf diese Weise. In den 1950ern waren Surflehrer auf Hawaii auf ihren Brettern meist mit einem Paddel unterwegs, um sich besser zu ihren Schülern vormanövrieren zu können. 1973 hat der Amerikaner Charlie MacArthur dann an einem hawaiianischen Strand gesessen und sich die Paddelei auf den Surfbrettern angesehen. Und bei sich gedacht: Das müsste doch auch auf Seen und Flüssen ganz cool sein, wo es kaum Wellen gibt.
Recht hat er. Obwohl: Zu cool hat es ein bisschen Anlauf gebraucht, die ersten SUP-Nutzer in Deutschland haben nicht selten verwirrtes Stirnrunzeln geerntet ob ihres kontemplativen Treibens. Denn so spektakulär wie Wellenreiten oder Windsurfen ist die Sause nun mal nicht, eher gemächlich zieht so ein SUP seine Bahn. „Vom Surfbrett zum Flaniergerät“ überschrieb die FAZ vor zehn Jahren einer der ersten SUP-Artikel in Deutschland. Stimmt schon, und wie viel körperliche Arbeit dahinter steckt, das Ding voranzubringen und dabei nicht in Wasser zu fallen, sieht man nicht gleich. Aber es trainiert: die Core-Muskulatur, den Gleichgewichtssinn, die Koordinationsfähigkeit. Ein Hexenwerk ist das trotzdem nicht. Um den Bogen rauszubekommen, brauchen normalbegabte Stehpaddler etwa zehn Minuten.
Also ist ein SUP der perfekte naturnahe Wassersportspaß für warme Tage? Äh… jein. Denn bei all den Segnungen für Muskeln, Hirn und Gelenke bleibt ein großes Aber: Aber die Umwelt! Bevor Ihr Euch ein billiges Teil im Discounter kauft, die  gerade den Markt überschwemmen, denkt dran: Es entstehen Tonnen von nicht recycelbaren Plastikmüll und die Dinger stecken oft voller Weichmacher, die direkt ins Wasser abgegeben werden. Leiht Euch erstmal eins von den vielen Verleihstationen aus und, wenn es Euch packt, investiert in nachhaltige SUP-Boards. Wie das Eco SUP von Viva con Aqua, die jeden Fitzel Plastikmüll durch Umweltprojekte kompensieren. Und wenn Ihr sogar den Ehrgeiz habt, Hamburger Barkassenführern mit dem nachhaltigsten SUP der Welt das Revier streitig zu machen: Das wird ein paar Kilometer nördlich in Kiel hergestellt, von Boardlab, einem Startup aus Kiel.
Jannek Grocholl und Michael Walther vom Boardlab haben nichts als Holz verwendet für ihr traumschönes Bio-Gerät, kein Kunststoff, keiner der üblichen Schaumkerne, versiegelt ist es mit Bio-Leinöl. Und auch die Verzierungen und Logos: komplett ökologisch, nur natürliche Pigmente kommen zum Einsatz. „Das Board sollte während seines gesamten Lebenszyklus einen minimalen Einfluss auf die Natur haben“, sagt Jannek Grocholl. „Dabei war es uns wichtig, dass es sich nicht nur um eine Marketinggeschichte handelt, die hübsch aussieht, sondern bei genauerem Hinsehen auch Vorteile gegenüber herkömmlichen Brettern bietet.“
Fanatic Ray Eco heißt das Ding. Neupreis: 6.950 Euro. Dafür hält es aber auch was aus. Michael Walther ist damit 2018 an der Küste Grönlands entlang gepaddelt. Wir empfehlen etwas Training vorher. Bevorzugt im Sommer.