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Ein Virus hat den ganzen Kontinent erfasst, und diesmal nützt keine Impfkampagne. Macht auch nix: Wenn die Europameisterschaft am 11. Juli endet, wird sich das Fußballfieber von allein regulieren. Bis dahin aber können wir in reinster Form verfolgen, wie schön es ist, in einem Team Sport zu treiben  

Und dann fiel Christian Eriksen einfach um, kurz vor der Halbzeit. Was vorher ein handelsübliches Europameisterschaftsspiel zwischen Dänemark und Finnland gewesen war, wurde plötzlich zu einem Drama mit ungewissem Ausgang. Dänemarks begabtester Fußballer seiner Generation hatte einen Herzstillstand erlitten, mitten auf dem Platz, vor laufender Kamera. Die lief weiter und sendete in die Welt, wie die Teamkollegen Eriksens eine Traube um ihn bildeten, einen Schutzwall. Egal, was noch passiert bei dieser EM: Es war das Bild des Turniers. Zehn Fußballspieler, die einen der ihren in ihre Mitte nahmen und, bei aller Machtlosigkeit, im Rahmen ihrer Möglichkeiten auf ihn aufpassten.

Fußball ist ein Geschäft

Es ist viel zu oft viel zu viel Geld im Spiel. Aber im Kern geht es immer noch um etwas ganz anderes. Gemeinschaft. Identifikation. Zugehörigkeit. Fußball kann man nicht allein spielen, wer es tut, ist immer ein Teil von etwas. Und das ist im besten Fall größer als die Summe seiner Teile, im Fall der dänischen Nationalmannschaft sehr viel größer. Und dazu muss man nicht einmal für Geld spielen oder darum, zum besten Team des Landes, des Kontinents, der Welt zu gehören. „Ich bin 1988 mit meinem Club in die Bezirksliga aufgestiegen“, sagt der Hamburger Psychologe Ulli Simon, „am selben Abend, an dem Bayer Leverkusen den UEFA-Cup gewonnen hat. Wir haben so hart gefeiert, und ich habe damals begriffen: Freude ist nicht unendlich steigerbar. Die in Leverkusen konnten keinen Deut glücklicher sein als ich, der Bezirksligaaufstieg war quasi mein Europapokal.“

Knapp sieben Millionen Menschen sind im DFB organisiert, es ist der größte Einzelsportverband der Welt. Viele weitere Millionen spielen organisiert Handball, Volleyball, Hockey und so weiter, und die tun damit eine Menge für ihre Gesundheit – jetzt mal abgesehen von der offensichtlichen Bewegung, oft an der frischen Luft. Denn Gemeinschaft fördert das Selbstwertgefühl, wer Teil von etwas ist, fühlt sich fast automatisch selten allein. Studien haben ergeben, dass Teamsportler seltener unter Depressionen leiden. Dabei hilft auch der spielerische Aspekt des sportlichen Treibens, denn wie immer auch die Sache ausgeht, ob man nun einen Kick in der Kreisliga C in Nordfriesland gewinnt oder ein WM-Finale verliert: Am Ende ist es ein Spiel, nicht mehr und nicht weniger.

Obwohl: Die positiven Effekte reichen dann doch über das Spiel hinaus. Teamsportler fördern ihr Denkvermögen, weil sie immer wieder schnell auf sich verändernde Situationen reagieren und kreative Lösungen finden müssen. Sie sind sozialer, weil sie in ihren Mannschaften oft auf Leute treffen, denen sie sonst nullkommanull Beachtung schenken würden. Neigen seltener zu Rassismus. Und entwickeln Glücksgefühle, die die gesamte Lebenszufriedenheit steigern, und auch das ist die beste Prävention vor Krankheiten der Seele und des Körpers.

Aber wie passt Christian Eriksen da hinein

Einer, der in Ausübung eines Mannschaftssports beinahe gestorben wäre? Gar nicht. Und irgendwie doch. Denn der plötzliche Herztod bei Hochleistungssportlern ist selten und schwer zu verhindern, schließlich ist der Däne seit vielen Jahren in engmaschiger medizinischer Überwachung gewesen. Aber für alle anderen, für die das nicht gilt – also die anderen 99 Prozent der Sportler – sollte sein Fall ein Schuss vor den Bug sein. Um die 1000 Sportler sterben jedes Jahr den plötzlichen Herztod in Deutschland, und wir von cardioscan existieren vor allem deshalb, weil wir diese Sportler durch präventive Diagnostik retten wollen. Deshalb: Lasst Euch durchchecken, Leute. Bleibt in unserem Team.