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Teuflische Einstiegsdroge? Längst ist Cannabis nicht mehr nur eine Pflanze, mit der man sich kurz mal berauscht. Sondern das, was schon Queen Victoria in ihr sah: eine hochwirksame Heilpflanze, deren segensreiche Wirkung.

„Legalize it“

sang Peter Tosh 1975. Was er meinte: Marihuana. Denn der Jamaikaner hatte den Bestandteil Cannabis nicht nur als Rauschmittel kennengelernt, sondern auch als Schmerzstiller – Tosh hatte 1972 einen schweren Autounfall, auf dem Rückweg von einer Party bei Bob Marley. Seine Freundin starb, er selbst litt ewig unter den Folgen, seelisch und körperlich.

„Dont criticize it“,

geht es weiter im Text. Auch das hatte Gründe: Mitte der 1970 fuhr die Regierung Jamaikas eine monströse Kampagne gegen den Konsum von Cannabis. Und nicht nur das Zeug selbst wurde verboten – auch der Song von Peter Tosh. Auch in Deutschland ist das Stück seit 1980 auf dem Index – bis heute. Absurd, fand Tosh damals, schließlich ist das Zeug einfach nur hilfreich und gut.   

„It’s good for the flu

Good for asthma

Good for tuberculosis

Even umara composis“

„Umara composis“? Wir übersetzen schnell: Regelschmerzen. Und die wurden schon an sehr prominenter Stelle mit Cannabis bekämpft – Königin Victoria persönlich linderte ihre monatlichen Beschwerden mit einer Marihuana-Tinktur. Und war nicht mal eine Vorreiterin damit.

Seit bummelig 5.000 Jahren wird Cannabis als Heilpflanze verwendet, sie ist sozusagen der Traditionsverein der Naturmedizin. Und hilft seitdem gegen Schmerzen, Spasmen, Asthma, Schlafstörungen, Depression und Appetitlosigkeit. Es gab eine längere Phase der Dämonisierung, aber inzwischen haben sackweise Studien belegt, dass Cannabis wirklich funktioniert – im übrigen mit oder ohne den Bestandteil Tetrahydrocannabinol, kurz: THC. Das wurde 1964 als berauschenden und wichtigen Inhaltsstoff der Hanfpflanze identifiziert, und wer es zu medizinischen Zwecken einsetzen will – zum Beispiel bei Übelkeit, nach einer Chemo, bei chronischen Schmerzen – muss es sich verschreiben lassen. Mittlerweile gibt es aber auch haufenweise rezeptfreie Produkte, die CBD enthalten – der zweite Wirkstoff, der in einer anderen, THC-ärmeren Sorte Hanf steckt und ganz ohne Rauschwirkung bleibt. Aber gegen Schmerzen und bei der Entspannung hilft auch der ganz gut, vor allem als Öl. Aber hey: Rauchbar ist das Zeug immer noch. 

Aber wie wirkt Cannabis nun eigentlich im Körper? Nun, Anfang der1990er Jahre entdeckten Wissenschaftler das körpereigene Cannabinoidsystem. Der Körper verfügt über eine große Menge eigener Cannabis-Rezeptoren, die besonders im Immunsystem, zentralen und peripheren Nervensystem liegen. Das ist eine ziemlich breite Verteilung, deshalb sind THC und CBD auch so unendlich vielseitig einsetzbar. Im Endocannabinoid-System des Körpers, nur so zum Beispiel, werden durch THC Angst, Schmerz, Muskeltonus und motorische Aktivität vermindert.