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Kaum etwas ist für Sportler so ärgerlich wie eine normale Virusinfektion. Denn die bremst und fordert Geduld. Aber was, wenn man nicht bloß Schnupfen hatte, sondern an Covid-19 erkrankt ist?

Was haben sie uns damals genervt, unsere Mütter und Großmütter, oder? Bei jedem Schnupfen, den leisesten Anflug eines Husters haben sie uns aus dem Verkehr gezogen: Schluss mit Fußball, vergiss Handball, Basketballtraining kannste knicken! Und selbst, wenn wir uns wieder fit fühlten, haben sie uns von den Spielfeldern fern gehalten, weil so ein Virus, der gehört auskuriert, sonst kann es böse enden. Haben sie damals gesagt, unsere Mütter und Omas. Und wir waren sauer, schließlich ging es uns doch wieder gut.

Die Sache ist nur: Sie hatten recht in dieser Herzensangelegenheit.

Quasi jede Virusinfektion birgt die Gefahr, sich im Nachgang symptomlos und somit unbemerkt auf das Herz zu legen – entweder auf den Herzbeutel, das Perikard, oder den Herzmuskel, das Myokard. Hat man schon eben so wenig bekannte Vorerkrankungen des Herzens – wer macht sich in jungen Jahren schon Gedanken darüber, ob sein bislang unauffälliges Herz einen Defekt mit sich herumträgt? – wird die Sache gefährlich. Und sogar lebensgefährlich, wenn man in beiden Fällen zu schnell mit intensivem Training anfängt. Dann droht der plötzliche Herztod. Wie beim Eiskunstläufer Heiko Fischer, der 1989 beim Squash zusammenbrach. Oder der Kameruner Kicker Marc-Vivien Foé, 2003 beim Confederations Cup vor laufenden Kameras auf dem Spielfeld gestorben. Ein Schicksal, das fast auch Daniel Engelbrecht ereilt hätte. Der hatte 2013 einen Infekt nicht richtig auskuriert, sackte während eines Drittligaspiels seiner Stuttgarter Kickers zu Boden und überlebte die Sache mit knapper Not. „Ich habe Schnupfen gehabt und zwei Wochen zu früh mit dem Training angefangen“, sagt er, „und hätte beinahe mein ganzes Leben weggeworfen.“

So. Habt Ihr jetzt Respekt? Gut so. Und hier geht es um handelsübliche Infekte. Kommen wir aber nun zu SARS-CoV2, jener Erreger, den wir gemeinhin meinen, wenn wir von dem Coronavirus sprechen. Der trickst sich auf besonders fiesem Weg in den Körper: Er dockt an das Enzym ACE2 an und nutzt dieses als Ticket in die Organe. Besonders in zweien von denen ACE2 in die Umgebung gedrückt: In den Lungen und im Herzen. Und wenn SARS-CoV2 erst mal dort angekommen ist, befällt es die Epithelzellen und sorgt für Entzündungen, die mit Funktionsverlust und, im schlimmen Fall, Fibrose, also Vernarbung einhergehen. Und das ist dann ein Schaden, der nicht mehr zu reparieren ist.

Die gute Nachricht: Bisher wurden diese Schäden überwiegend bei Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems festgestellt. Und es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse, dass diese Schäden bei fitten, gesunden Sportlern jüngeren Alters auftreten, die an Covid-19 erkrankt waren. Aber die Krankheit ist auch noch nicht ausreichend erforscht.

Und deshalb gilt: Wenn Ihr im Laufe der vergangenen 14 Monate mit dem Coronavirus infiziert gewesen seid – bleibt extra vorsichtig, völlig egal, ob ihr einen schweren, milden oder komplett symptomfreien Verlauf hattet. Denn wer sich jetzt noch das Virus fängt, ohne krank zu werden, sollte mindestens zwei Wochen nach dem ersten negativen Test pausieren. Hattet Ihr Symptome wie Fieber, Husten oder eine Lungenentzündung: vier Wochen ohne jeden Sport, bitte. Und sollte festgestellt werden, dass der Herzmuskel an der Infektion beteiligt war, empfehlen die Ärzte und auch wir von cardioscan: drei Monate kein Training.

Und dann? Lasst Euch testen. Der Arzt Eures Vertrauens kann Euch die komplette Genesung und damit Eure Sporttauglichkeit attestieren, auch einer der zahlreichen cardioscan Checkpoints in den Studios oder Arztpraxen geben eine gewisse Sicherheit, wenn Ihr es Euch selbst und anderen wieder so richtig zeigen wollt. Denn genau darum geht es: Bevor Ihr wieder loslegt, solltet Ihr sicher sein. Und Euch das gute Gefühl draufschaffen, dass Corona Euch nicht klein gekriegt hat.