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Zu behaupten, Chicorée, Radicchio und Endivien seien nicht jedermanns Sache, wäre eine der größeren Untertreibungen im Lebensmittelsektor. Gibt aber sehr gute Gründe, diese Blätter trotzdem zu essen – und Tricks, sie sogar zu mögen

Man soll mit dem Wort „Kult“ ja nicht allzu verschwenderisch umgehen, aber wenn es um „Die Feuerzangenbowle“ geht, diese legendäre Heinz-Rühmann-Komödie aus dem Jahr 1944, dann ist der Ausdruck mehr als angebracht. Gibt ja auch viele Sätze für die Ewigkeit darin. Zum Beispiel einer vom Lehrer Schnauz. „Mit der Schule ist es wie mit der Medizin“, sagt der an einer Stelle, „sie muss bitter schmecken, sonst nützt sie nichts!“ Das mit der Schule, na ja, das muss jetzt jeder selbst wissen, soll inzwischen ja auch freudvolle Lehrmethoden geben. Und fraglos gibt es auch medizinische Wirkstoffe, die alles andere als bitter sind. Hätte der alte Lehrer aber den Umkehrschluss in diesem sehr süßen Film angewandt, hätte er zu einhundert Prozent recht gehabt: Bitter ist gesund. Besonders dann, wenn’s ums Essen und Trinken geht.

Wer sich also einen Salat mit Chicorée zubereitet, morgens eine Grapefruit löffelt oder einen Kaffee in schwarz zu sich nimmt, tut sich und seinem Körper etwas ziemlich Gutes. Bitterstoffe sind nämlich super für so einige inneren Werte. Bitter regt die Sekretion der Bauchspeicheldrüse und der Leber an, die Mahlzeiten werden dadurch besser verdaut, die Entgiftung durch die Leber gefördert, der Darm kann Nährstoffe besser verwerten. Das Immunsystem wird gestärkt. Das Bittere nimmt zudem jeden Heißhunger auf Süßes. Und wenn man die Sache konsequent weiter denkt, ist auch folgender Schluss logisch: bitter macht schlank.

Das Problem an der Sache ist nur: schmeckt auch komisch. Und das kommt nicht von ungefähr, unsere Abneigung gegen Bitteres liegt in unserer Natur. Denn klar gibt es auch giftige oder verdorbene Substanzen, die bitter schmecken, und vor denen wollen uns die Geschmacksknospen auf der Zunge bewahren. Und zwar die ganz hinten, kurz vor dem Rachen, sie sprechen eine letzte Warnung aus. Was bei so etwas Tödlichem wie Bittermandeln auch Sinn ergibt. Aber bei Radicchio eben nicht. Und wir hätten mit dem Geschmack auch deutlich kleinere Probleme, wenn die Lebensmittelindustrie den ungeliebten Beigeschmack nicht systematisch aus dem Grün- oder Rotzeug herauszuzüchten versuchen würde. Das ist blöd, schließlich gehen so auch die Segnungen dieser Gemüsesorten verloren, die nebenbei oft wahre Vitamin C-Bomben sind. Und man kann, wenn man den Geschmack partout nicht mag, ihn dezent verstecken. Zitrone auf die Blätter geben etwa oder sie mit anderen Sorten mischen.

Und genau das machen wir bei unserem Salat. Wir haben es uns aus der Vicoach-App ausgeliehen, die eine Fülle von großartigen Rezepten bereithält. Das hier findet man dort unter „Winterlicher Blattsalat mit Hähnchen“ – einigen wir uns darauf, ihn in „Winterabschiedssalat“ umzutaufen. Denn die Frische und das Bittere sind genau das Richtige für einen Kickstart in den Frühling.

Winterabschiedssalat mit Hähnchen

Für 2 Personen
695 kcal pro Portion

Zutaten:
Salz
2 EL Sonnenblumenkerne
2 EL Traubenkernöl
120g Blattsalatmischung (Radicchio, Frisée, Löwenzahn, Feldsalat, Portulak)
1 EL Butterschmalz
1 Chicorée
2 Grapefruits
2 Hähnchenbrustfilets (à ca. 120g)
1 EL Honig
2 Kumquats
2 EL Kürbiskerne
Pfefferkörner

Die Grapefruits gründlich schälen und die Filets herausschneiden. Den austretenden Saft dabei auffangen und das restliche Fruchtfleisch ausdrücken. Den Grapefruitsaft mit dem Honig, 4-6 EL Wasser und dem Öl verrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Kumquats waschen, in dünne Scheiben schneiden und in das Dressing geben. Die Hähnchenbrüste waschen, trocken tupfen, mit Salz und Pfeffer würzen und im heißen Butterschmalz in einer Pfanne bei mittlerer Hitze je Site 2-3 Minuten goldbraun braten. Vom Herd nehmen und gar ziehen lassen. Den Chicorée und die Blattsalate waschen, putzen, trockenschleudern und nach Bedarf klein zupfen. Dekorativ auf Tellern anrichten. Die Brüste leicht schräg in Scheiben schneiden und auf den Salat legen. Mit dem Dressing beträufeln, die Kürbis- sowie die Sonnenblumenkerne darüber streuen und servieren. Tipp: Die Sonnenblumen- und Kürbiskerne vorher in einer Pfanne ohne Fett anrösten.