Vitamin R – cardioscan
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Resilienz? Ist das nicht eines von diesen grassierenden Modewörtern? Ja, schon. Aber was dahinter steckt, ist ziemlich wichtig für unsere Regenerationsfähigkeit und dafür, wie wir mit Stress umgehen – Resilienz ist das Immunsystem unserer Seele

Eigentlich lief es nicht so übel für Anna Depenbusch in letzter Zeit. Die Musikerin, die früher Beruhigungssoundtracks für MRTs geschrieben und diverse Rollen in „Baywatch“ synchronisiert hat, kann von ihren Liedern leben, seit sie 2011 einen bemerkenswerten Auftritt bei „Ina’s Nacht“ hingelegt hatte. Seit ein paar Jahren macht sie ganz schöne Platten und füllt mit ihnen regelmäßig mittelgroße Konzertsäle, sogar die Elbphilharmonie hat sie mal ausverkauft. Ihr neues Album „Echtzeit“ war Anfang März erschienen, die neue Tour starte kurz danach. Das erste Konzert in Fulda spielte sie noch, aber dann wurde die anderen 30 Auftritte Virus bedingt abgesagt. Alles, was sie in den Jahren zuvor angespart hatte, steckte in der Platte und dem Label, das sie extra dafür gegründet hatte. Die Tour hätte das alles refinanziert. Und tat es nun eben nicht. Und was machte Anna, eine unsichere Zukunft vor der Nase? Dachte an ihre Oma. „Die hat immer gesagt: Nichts ist so schlecht, das nicht etwas Gutes darin steckt“, sagt sie. „Wenn ich mit einem weißen Hemd in eine Pfütze falle, stehe ich auf denke: geiles Muster.“

Das, was Anna Depenbusch jetzt über Wasser hält, nennt sich Resilienz. Das ist die Fähigkeit, auf Krisen zu reagieren. Mit Stress klar zukommen. Die Stolpersteine, die einem das Leben vor die Füße wirft, guten Mutes zu überspringen. Und so, wie ein starkes körpereigenes Immunsystem uns vor Infekten und anderen Krankheiten schützt, hilft uns Resilienz dabei, schwierige Zeiten nicht nur zu überstehen, sondern im besten Fall sogar gestärkt zu verlassen. Oder im Depenbusch’schen Sinne plötzlich neue geile Muster in seinem Leben zu erkennen.

Resilienz ist die Summe von Erfahrungen, Umweltfaktoren und, na ja: Talent im Umgang mit Krisen. Einerseits. Andererseits, und das ist die gute Nachricht:

Die Sache ist nicht Schicksals gebunden. Wer bisher eher schlecht mit Probleme klar kam, kann lernen, wie es besser geht. Denn kann man sein seelisches Immunsystem genauso trainieren wie das des Körpers. Gibt ganz gute Bücher dazu, etwa von Jutta Heller („Resilienz: 7 Schlüssel für mehr innere Stärke“). Oder Workshops, nur mal so zum Beispiel von den beiden Hamburger Resilienz-Trainerinnen Christiane Petersen und Prisca Freitag, die unter „Peter + Frei“ firmieren und bei Stärkung seelischer Widerstandskraft helfen, von Online- bis Wochenendseminare haben sie verschiedene Intensitätsgrade im Programm. Und da lernt man dann, Dinge zu akzeptieren, die sich nicht ändern lassen. Wie man mit Optimismus das Beste aus vertrackten Situationen macht. Wie man sich seiner Stärken bewusst wird, seine echten Bedürfnisse erkennt und endlich aufhört, immer nur ein Opfer zu sein.

So ungefähr funktioniert Vitamin R. Ist ein echtes Wundermittel gegen jede Art von Stress.